Klimawandelbedingt sind Aspekte wie der Umgang mit Kalamitätsflächen (z.B. die Schadflächen der Fichte), die Wiederbewaldung dieser Kahlflächen oder die Etablierung von Mischbaumarten besonders wichtig. Gleichzeitig werden Methoden zur Waldverjüngung oder zur Pflege der Waldbestände weiterentwickelt und erprobt.
Das Ziel ist es, vitale und produktive Wälder zu fördern, die wertvolles Holz liefern, langfristig im Klimawandel stabil bleiben und eine artenreiche Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten beherbergen.
Mischwälder aus lichtbedürftigen und schattenertragenden Baumarten sowie Laub- und Nadelhölzern sind im Klimawandel der sicherere Weg. Das Mittel der Wahl ist dabei die Nutzung der Naturverjüngung der etablierten Baumarten vor Ort. Diese kann im Zuge der Bestandesentwicklung bzw. auf den großen Kahlflächen mit geeigneten Baumarten durch Pflanzung oder Saat ergänzt werden. Lichte Pionierwälder aus Birke, Aspe, Lärche oder Erle erleichtern die Etablierung der zukünftigen Zielbaumarten auf der Fläche. Das harte Freiflächenklima mit Dürre und Frost wird für die neue Baumgeneration dadurch spürbar abgemildert und großflächige Ausfälle werden vermieden.
Forschung zu etablierten und experimentellen Baumarten
Das Team Waldbau des Zentrums für Wald und Holzwirtschaft untersucht unter anderem, wie durch standortgerechte Baumartenwahl und angepasste Bewirtschaftung stabile Mischwälder geschaffen werden können, die im sich wandelnden Klima auch zukünftig vielfältige Waldfunktionen erbringen können. Die Erforschung der Eignung bislang seltenerer heimischer Baumarten wie beispielsweise Wildobst, Elsbeere, Eibe oder eingeführter (fremdländischer) Baumarten steht dabei im Mittelpunkt.
Baumarten wie die Roteiche (Quercus rubra), die Große Küstentanne (Abies grandis), die in NRW nicht heimische Weißtanne (Abies alba) sowie die Douglasie (Pseudotsuga menziesii) haben sich dabei schon in Versuchs- und Praxisanbauten bewährt und ihre Anbauwürdigkeit erwiesen.
Zu den aktuellen „Experimentierbaumarten“ zählen zum Beispiel die Walnuss (Juglans regia), die Edelkastanie (Castanea sativa) und der Baumhasel (Corylus colurna). Auf Seiten der Nadelbäume zählen die beiden Zedernarten Atlaszeder (Cedrus atlantica) und die Libanonzeder (Cedrus libani) sowie der Riesenlebensbaum (Thuja plicata) dazu.
Kostenlose Angebote für den Waldbesitz
Die Ergebnisse der Forschung fließen in die neuen Instrumente des Waldbaus in NRW ein und sind für den Waldbesitz kostenlos verfügbar. Im Detail sind dies:
- Digitale Standortkarten des Geologischen Dienstes NRW mit den Hinweisen zur Baumartenwahl und den Klimaszenarien (aktuell, mäßiger Klimawandel, starker Klimawandel)
- Internetportal „Waldinfo.NRW.de“ mit den umfassenden Kartendarstellungen und der interaktiven Planungshilfe für die individuelle Wiederbewaldung und den Empfehlungen zur Baumarten- und Herkunftswahl
- Waldbaukonzept NRW mit den Empfehlungen für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung von Mischwäldern
- Wiederbewaldungskonzept NRW mit den Empfehlungen für eine nachhaltige Walderneuerung auf großen Schadflächen
- Baum- und Straucharten in NRW – Herkunftsempfehlungen 2024
- Ergänzende Leitfäden zu Themen wie: Praxisleitfaden für eingeführte Baumarten, Anleitungen zur Saat
Die Rolle der Genetik im Waldbau
Die Kenntnis der genetischen Grundlagen und Zusammenhänge ist für die Forstwirtschaft wichtig, weil die Genetik maßgeblichen Einfluss auf Wuchsform, Wachstum und Anpassungsfähigkeit von Bäumen und Sträuchern hat.
Insbesondere im Klimawandel sind daher Maßnahmen zur Erhaltung und Förderung der gehölzgenetischen Ressourcen (beispielsweise in Form von Generhaltungsbeständen, Klonarchiven, Samenplantagen oder Saatgutreserven) von großer Bedeutung, um eine hohe genetische Diversität und damit Anpassungsfähigkeit zu erhalten.
Viele unserer Baumarten haben ein großes, teils über Europa hinausgehendes Verbreitungsgebiet. Innerhalb einer Baumart können sich daher die Genetik und die damit einhergehenden Eigenschaften je nach Herkunftsregion unterscheiden. Im herkunftsbezogenen Versuchswesen untersuchen unserer Fachleute, inwieweit diese verschiedenen Herkünfte im praktischen Anbau Unterschiede im Wachstum und in ihrer Robustheit gegenüber Frost, Trockenheit oder Schadorganismen zeigen. Diese Informationen fließen in Empfehlungen für den Anbau und die forstliche Förderung ein und helfen, die Wälder von Morgen an den Klimawandel anzupassen.
Sowohl die genetische als auch die äußere, physiologische Qualität in Verbindung mit passenden, korrekt durchgeführten Saat- und Pflanzverfahren sind die wesentlichen Voraussetzungen für einen waldbaulichen und wirtschaftlichen Erfolg von Saaten und Pflanzkulturen.
Deswegen führt das Team Waldbau auch eigene Untersuchungen zur Behandlung von Saatgut sowie Anzuchtverfahren von Pflanzen durch und teilt die gewonnen Erkenntnisse unter anderem in Form von Leitfäden, Broschüren oder auf Veranstaltungen mit.
Aufgrund der besonderen Fach- und Marktkenntnis beraten unserer Expertinnen und Experten Waldbesitzende sowie Försterinnen und Förster zum Thema forstliches Vermehrungsgut und unterstützen außerdem unsere Regionalforstämter bei der Vermarktung von Saatgut aus den zahlreichen Saatguterntebeständen und Samenplantagen des landeseigenen Forstbetriebes.
Aktuelles Saatgutangebot einsehen
Für die Anzucht von Generhaltungs- und Versuchspflanzen ist unser Team Waldbau mit der notwendigen Fachexpertise und der erforderlichen technischen Ausrüstung von der Saatguternte bis zur Pflanzenanzucht im Gewächshaus und im Freiland ausgestattet. Dazu gehören zum Beispiel ein akkreditiertes Saatgutprüflabor, Ernteausrüstung, eine Kleindarre, Tiefkühlzellen und eigene Aussaat-, Absteckungs- und Veredelungsmöglichkeiten.