Waldschutz

Waldschutz als Kernkompetenz des Landesbetriebes Wald und Holz Nordrhein-Westfalen ist eine wichtige Basis für die Walderhaltung. In unserem Zentrum für Wald und Holzwirtschaft beschäftigt sich das Team Wald- und Klimaschutz mit allen Fragen zur Vitalität und Waldgesundheit unserer Wälder. 

In einem grünen Wald wird eine schwarze Drohne von einem Mann mit forstlicher Kleidung und Hut gesteuert.

Das Ziel ist die Integration von Technologien zur Effizienzsteigerung und einem besseren Verständnis von Wirkungszusammenhängen in einem der komplexesten Ökosysteme der Welt, dem Wald.

Im Mittelpunkt steht das Erkennen, Erforschen und Vermeiden von Gefahren, auch solchen, die beim Import von Forstpflanzen und Holz durch die Verschleppung von Schadorganismen entstehen. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Forschung über Waldökosystemleistungen und die Beratung des Clusters Wald und Holz zu Fragen des Wald- und Klimaschutzes. 

Stürme, Trockenheit, Käferbefall – unsere Wälder stehen unter Druck. Der integrative und klimadynamische Waldschutz setzt auf ein intelligentes Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen. Ziel: Den Wald erhalten, Schäden vorbeugen, natürliche Abläufe stärken.

Integrativer und klimadynamischer Waldschutz

Um Wälder als multifunktionale Ökosysteme zu erhalten, die gleichzeitig Lebensräume bieten, Klimaregulatoren sind und Ressourcen für die Gesellschaft zur Verfügung stellen, betreiben wir integrativen und klimadynamischen Waldschutz. Integrativ bedeutet, dass alle Waldfunktionen (Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion) so gut wie möglich vereint sind. Klimadynamisch heißt, dass es eine Anpassung an die sich verändernden Umweltbedingungen, insbesondere in Bezug auf die Klimaerwärmung berücksichtigt wird.

Der integrative und klimadynamische Waldschutz verbindet vorbeugende, überwachende, biologische, mechanische und als Ultimaratio, da wo sie zugelassen sind, chemische Maßnahmen. Immer nach dem Prinzip: so wenig wie möglich, so viel wie nötig. Das gilt besonders im sensiblen Ökosystem Wald. In der Richtlinie 2009/128/EG des Europäischen Parlaments und des Rates sind im Anhang III acht Punkte beschrieben, welche den integrierten Pflanzen- und somit auch Waldschutz definieren. 

 

Vorbeugen statt bekämpfen

Klimawandel, Monokulturen und eingeschleppte Arten fördern das Schadpotenzial von Schadorganismen. Wer seinen Wald stabil aufstellt, kann im Vorfeld Schäden bis hin zum Totalausfall verhindern:

  • Mischwald statt Reinbestände
  • Standortgerechte Baumartenwahl
  • Förderung natürlicher Feinde von Schädlingen (z. B. parasitoide Wespen, räuberische Insekten, Vögel, Fledermäuse)
  • Kontrolle von Einschleppungswegen

Das Waldbaukonzept Nordrhein-Westfalen  sowie das Wiederbewaldungskonzept Nordrhein-Westfalen bietet Waldbesitzenden viele Informationen zur geeigneten Baumartenwahl. Die Internetseite waldinfo.nrw bietet darüber hinaus interaktive Karten rund um das Thema und vielem mehr.

Schadorganismen erkennen und reagieren

Die wichtigsten Waldschädlinge in NRW:

  • Borkenkäfer (z.B. Buchdrucker): Sie haben abhängig von der Witterung ein besonders hohes Massenvermehrungspotenzial. Sie legen ihre Brutgänge unter der Rinde an und bringen Fichten zum Absterben.
  • Eichenprachtkäfer: Die Larven können den Saftstrom des Baumes unterbrechen und zum Absterben führen.
  • Buchenvitalitätsschwäche: Die neuen Komplexschäden der Buche sorgen für eine erheblicher Bruchgefahr. Sie treten landesweit nach den Trockenjahren 2018 bis 2020 auf.

Im Zuge des Klimawandels und der extremeren Wetter-/Witterungsbedingungen wird eine Zunahme von Schadorganismen erwartet und bereits beobachtet – sowohl in der Anzahl verschiedener Arten als auch in deren Auswirkungen.

Weiterführende Informationen finden Sie auf unseren Seiten zu Schadorganismen.

Wenn Maßnahmen nötig werden:

Regelmäßige und wachsame Waldbegehungen helfen, frühzeitig entsprechende Symptome zu erkennen. Wird ein wirtschaftlicher oder ökologischer Schaden erwartet, werden Schutzmaßnahmen abgewogen. Beispiele:

  • Fangbäume aufstellen, um Borkenkäfer gezielt abzufangen.
  • Sanitärhiebe, um die Vermehrung durch die Entnahme befallener Bäume zu stoppen oder einzudämmen.
  • Einsatz von zugelassenen Pflanzenschutzmitteln zum Schutz der Waldbestände

Unterstützung für Waldbesitzende

Sie sind Waldbesitzerin oder Waldbesitzer in NRW? Unsere Waldschutzexpertinnen und -experten vor Ort beraten Sie gern zur:

  • Bestimmung und Erkennung der Schadensursache
  • Überwachung und Einschätzung der Auswirkungen der waldschutzrelevanten Arten 
  • Fachliche Unterstützung zu Handlungsempfehlungen

So schützen wir Wald, Holz und angrenzende Ökosysteme gleichermaßen.

Über aktuelle Waldschutz-Probleme informiert Sie die Info- und Warnmeldung.

Infomeldungen von 2013 bis 2025 einsehen

Waldschutz 4.0

Der Waldschutz 4.0 greift Konzepte der sogenannten Industrie 4.0 auf (also Digitalisierung, Automatisierung, Vernetzung, Datenanalyse etc.) und überträgt sie auf den Wald- und Holzbereich. Ziel ist, sowohl ökologische als auch ökonomische Aspekte zu vereinen: Schutz und Gesundheit des Waldes, Anpassung an Klimaveränderungen, effiziente Nutzung, Transparenz und Beteiligung aller Akteure.

Themenfelder, die kombiniert werden, sind:

  1. Fernerkundung und Sensorik: Einsatz von Drohnen, Satellitendaten, Luftbildern, LiDAR-Scans etc., um Baumarten, Bestandsdichte, Vitalität, Schäden (z. B. Windbruch, Schädlingsbefall, Dürre) zu erkennen.
  2. Dateninfrastruktur/Datenräume: Vernetzung von Datenquellen (Boden, Klima, Bewirtschaftung, Schaderreger etc.), offene Plattformen, transparente Informationen für NutzerInnen.
  3. KI und Modellierung: Prognosen zu Waldzustand, Schädlingsausbreitung, Wachstum, Risiken, Entscheidungsunterstützung.
  4. Digitale Planung und Monitoring: digitale Zwillinge
  5. Nachhaltigkeit & Resilienz: Mehr Baumartenvielfalt, stärkere Berücksichtigung von Klimawandel, Schutzfunktionen (Wasser, Artenvielfalt), Waldumbau.
  6. Transparenz und Beteiligung: Öffentlich verfügbare Datenportale, Bürgerbeteiligung, Informationen für Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, Gemeinden etc.