Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf den Wald? Welche Anpassungsstrategien gibt es? Der Wald und das Klima beeinflussen sich gegenseitig, daher ist Waldschutz gleich Klimaschutz. Waldökosysteme erfahren bereits heute und in Zukunft klimatische Veränderungen mit vielfältigen Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzengemeinschaften und auf die Bereitstellung von Ökosystemleistungen.
Es gibt vier unterschiedliche Arten von Ökosystemleistungen: unterstützende, bereitstellende, regulierende und kulturelle. Bereitstellende Ökosystemleistungen sind beispielsweise der Rohstoff Holz, Trinkwasser, Klimaschutz oder Boden- und Erosionsschutz. Die Auswirkungen des Klimawandels beeinträchtigen Waldökosysteme und damit auch die Bereitstellung dieser wichtigen Ökosystemleistungen. Die Anpassung der Wälder in Nordrhein-Westfalen zielt darauf ab, den Bedarf aller Ökosystemleistungen nachhaltig zu erfüllen Die Folgen des Klimawandels betreffen daher nicht nur den Wald, sondern wirken sich auch auf uns Menschen aus.
Die aktuelle Geschwindigkeit der klimatischen Veränderungen stellt eine große Herausforderung dar und erfordert eine Anpassung des Waldes und der Waldbewirtschaftung an die Folgen des Klimawandels. Aber warum hängen der Wald und das Klima so eng miteinander zusammen? Wie passen sich Waldökosysteme an klimatische Veränderungen an? Und wie können wir unterstützend eingreifen, um auch in Zukunft gesunde, resiliente Mischwälder in Nordrhein-Westfalen zu erhalten und zu fördern?
Klimawandel in NRW
Auch in NRW ist der Klimawandel angekommen und bereits messbar. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts haben sich verschiedene klimatische Parameter nachweisbar verändert. Hierzu zählen u. a. die Jahresmitteltemperatur, die Anzahl von Sommer- und Frosttagen sowie der Niederschlag. Aber auch die Dauer der Vegetationszeit hat sich verlängert. Die Auswertung der Daten zeigt, dass es wärmer und feuchter geworden ist. Zudem erfolgt eine Verschiebung der Niederschläge vom Sommer- ins Winterhalbjahr. Auch die Häufigkeit von extremen Wetterereignissen und Witterungsperioden, wie beispielsweise Starkregen oder Dürrephasen, nimmt zu.
Die Auswirkungen des Klimawandels fallen in NRW aufgrund der geografischen Verhältnisse regional sehr unterschiedlich aus. Die Mittelgebirgsregionen des Sauer- und Siegerlandes mit dem Rothaargebirge, des Bergischen Lands, der Eifel, des Siebengebirges, der Egge und des Teutoburger Waldes sind vergleichsweise regenreicher mit einer geringeren Jahresmitteltemperatur. Das Klima am Niederrhein und in der Westfälischen Bucht hingegen ist deutlich wärmer mit nur mäßigem Niederschlag. Trotz der zum Teil sehr unterschiedlichen Verhältnisse zeichnet sich schon heute ab, dass der Faktor Wasserverfügbarkeit in allen Waldregionen NRWs eine zentrale Rolle spielt. Dies betrifft zum einen die Wasserknappheit in der Vegetationszeit und zum anderen das Wasserüberangebot im Winterhalbjahr sowie das Auftreten von Starkregenereignissen und das damit steigende Risiko von Hochwasser.
Trockenheit und Störungen prägen NRW-Wälder
Der Wald und auch die Waldwirtschaft sind besonders von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Bäume können sich aufgrund ihrer langen Lebensdauer nur langsam an standörtliche Veränderungen anpassen. Durch die Schnelligkeit des Klimawandels kommt es zu Verschiebungen in der Baumartenzusammensetzung und biotischen und abiotischen Störungen, wie beispielsweise Borkenkäfermassenvermehrungen. Neue Waldkrankheiten oder Waldbrände nehmen zu. Der Klimawandel verändert unsere Wälder auf vielfältige Weise und diese Veränderungen hängen eng mit dem Wasserkreislauf zusammen.
Durch die steigenden Temperaturen und die länger andauernde Vegetationszeit erhöhen sich die Verdunstung und der Wasserverbrauch im Wald. Die Wasserbilanz der Waldstandorte verschlechtert sich und es kommt in immer kürzeren Zeitabständen zu Wassermangel. Verstärkt wird dies durch die steigende Anzahl heißer Sommertage und die Verschiebung der Niederschläge in die Wintermonate sowie durch die Zunahme von Starkregenereignissen. Es treten immer häufiger Trockenphasen in der Vegetationszeit auf, in der die Böden nicht mehr ausreichend mit Wasser versorgt sind. Die zunehmenden Niederschläge in den Wintermonaten können diese Niederschlagsdefizite nicht immer ausgleichen, da sie häufig auf bereits wassergesättigte oder gefrorene Böden treffen und ungenutzt aus dem Wald abfließen.
Insgesamt betrachtet hat der Klimawandel einen negativen Einfluss auf die Wasserverfügbarkeit in Wäldern. Um die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wasserhaushalt von Wäldern zu untersuchen, betreiben die Waldexpertinnen und -experten des Zentrums für Wald- und Holzwirtschaft im Team Wald- und Klimaschutz mehrere Wettermessstationen im Sauer- und Siegerland.
Schon heute zeigen viele Waldbestände Trockenstresssymptome mit Auswirkungen auf ihre Vitalität und ihr Wachstum. Die Jahre 2018 bis 2022 waren in NRW durch höhere Temperaturen und langanhaltende Trockenperioden geprägt. Dies schwächte die Widerstandsfähigkeit der Waldbäume und begünstigte u.a. die Entwicklung der Borkenkäferkalamität bei der Fichte. Aber auch andere Baumarten leiden unter den Auswirkungen des Klimawandels. Im Jahr 2025 setzte sich dieser Trend fort. Das Frühjahr 2025 gehörte deutschlandweit zu den drei trockensten Jahren seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die warmen und trockenen Bedingungen in der Vegetationszeit begünstigen Störungen durch Dürre, Feuer und Insekten. Die wärmeren und feuchteren Bedingungen im Winterhalbjahr verstärken hingegen Störungen durch Wind und Krankheitserreger. Durch diese Entwicklungen gewinnt der Bereich Waldschutz schon jetzt und auch zukünftig immer mehr an Bedeutung.
Eigenes Anpassungsvermögen und Strategien der Waldbewirtschaftung
Durch Witterungsextreme und veränderte Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse werden auch die Lebens- und Konkurrenzbedingungen verschiedener Baumarten beeinflusst. In ihren jetzigen Verbreitungsgebieten mussten sich unsere heimischen Baumarten bisher nur an latent ändernde Klimaverhältnisse anpassen. Der aktuell wesentlich schneller ablaufende Klimawandel trifft auf die langsam ablaufenden Anpassungsmechanismen und langen Generationszeiträume der Bäume. Dies hat zur Folge, dass eine Baumart, die vor einigen Jahrzehnten für einen bestimmten Standort geeignet war, es in Zukunft möglicherweise nicht mehr sein wird.
Manche Baumarten, wie beispielsweise die Esche und die Ulme, sind bereits auf großen Flächen verloren gegangen, während sich andere eingeführte Baumarten, wie z. B. die Spätblühende Traubenkirsche, invasiv verbreiten. Zukünftig wird es, beeinflusst vom Klimawandel, zu einer Anpassung von Waldökosystemen und zu neuen Kombinationen von Vegetationsgemeinschaften kommen. Trockenheitstoleranz, die Toleranz gegenüber Hitzestress sowie die Resistenz gegenüber Schadorganismen spielen dabei eine wichtige Rolle.
Förderung von klimaresilienten Wäldern
Die Anpassung unserer Wälder durch waldbauliche Maßnahmen zielt darauf ab, stabile und gesunde Waldökosysteme zu erhalten und zu fördern, die sich flexibel an die klimatischen Veränderungen anpassen können. Diese ökologische Stabilität des Waldes wird vor allem durch die beiden Eigenschaften Resistenz und Resilienz charakterisiert. Resistenz ist die Fähigkeit des Waldes, einer Änderung nach einer Störung zu widerstehen. Resilienz beschreibt die Geschwindigkeit, in welcher sich der Wald von einer Änderung erholen und wieder in seinen Ausgangszustand zurückkehren kann. Wälder gelten als ökologisch stabil, wenn sie dazu in der Lage sind, Störungen auszugleichen, ohne dass dabei ihre Struktur oder ihre Funktionsfähigkeit verändert wird.
Da die künftigen Auswirkungen des Klimawandels nicht mit absoluter Sicherheit vorauszusagen sind, ist es wichtig, den Wald in NRW möglichst breit aufzustellen. Strukturreiche Mischwälder mit einer hohen Baumartenvielfalt können sich nicht nur besser an klimatische Veränderungen anpassen, sie wirken sich auch positiv auf die Biodiversität aus. Die Anpassung der Waldbewirtschaftung bietet hierfür effektive Maßnahmen:
- standortangepasste Baumartenwahl (Wiederbewaldungskonzept)
- Förderung der Strukturvielfalt (Waldbaukonzept)
- Erhöhung der Baumartenvielfalt (z.B. Umbau von Reinbeständen)
- Maßnahmen zur Verbesserung des Wasserhaushaltes (Schwammwald)
- Förderung der Biodiversität (Xylobius)
Der Erhalt und die Förderung von klimaresilienten Wäldern sind eine große Herausforderung und gemeinsames Ziel der Försterinnen und Förster von Wald und Holz NRW. Als Fachleute für den Wald in Nordrhein-Westfalen stehen wir Waldbesitzenden und Waldinteressierten hierbei beratend zur Seite.