Schadorganismen an der Eiche

Die Waldschutzsituation der Eiche ist geprägt durch zyklisches Fraßgeschehen von freifressenden Schmetterlingsraupen der Eichenfraßgesellschaft beziehungsweise Frühjahrsfraßgesellschaft. Dazu gehören unter anderem Frostspannerarten, Grüner Eichenwickler, Schwammspinner, Eichenprozessionsspinner. 

Ein grün-glänzender Käfer mit zwei weißen Punkten auf dem Rücken sitzt auf einem grünen Blatt.

Insbesondere der Eichenprozessionsspinner profitiert bereits heute von den Auswirkungen des Klimawandels und konnte seit 25 Jahren sein Verbreitungs- und Gradationsgebiet deutlich vergrößern. Die Massenvermehrungen (Gradationen) des Eichenprozessionsspinners haben ebenfalls zugenommen.

Bedeutung der Eichenfraßgesellschaft im Zusammenhang mit komplexen Eichenschäden

Sind Eichen von starkem Fraß oder sogar Kahlfraß betroffen, können sie nur in vermindertem Maße Reservestoffe bilden. Dies führt im Folgejahr zu einem geringeren Frühholzwachstum, das noch vor dem Laubaustrieb beginnt. Die damit einhergehende reduzierte Gefäßzahl bedingt wiederum Austriebsverzögerungen im Jahr nach dem Kahlfraß. Wiederholt sich dieser Prozess über mehrere Jahre und kommen einige oder mehrere weitere Stressfaktoren hinzu, wie zum Beispiel Dürre, Nährstoffmangel, Eichenmehltau, Eichenprachtkäferbefall oder pathogene, also krankheitserregende, Bakterien, können die Eichen den Stress auf Dauer nicht mehr kompensieren. Ein Eichensterben kann die Folge sein. In diesem Zusammenhang stellt wiederholter Kahlfraß ein erhöhtes Gefährdungspotenzial für betroffene Eichenbestände dar. 

Hier finden Sie Informationen zu folgenden Schadorganismen

Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea L.) kommt an allen Eichen-Arten vor, insbesondere auch an in NRW verbreiteten Eichenarten wie Stieleiche, Traubeneiche und Roteiche. Er ist wärmeliebend, bevorzugt lichte Eichenwälder, Bestandesränder und Einzelbäume. Das Wort „Prozession“ im Artnamen weist auf die Verhaltensweise der Raupen hin, sich nach dem Schlupf dicht gedrängt und in großer Zahl am Stamm und den Ästen zu ihren Fraßorten zu bewegen. Seit einigen Jahren weist der Eichenprozessionsspinner in einigen Teilen Deutschlands verbreitet hohe Populationsdichten mit massivem Besatz – teils auch innerhalb von Waldbeständen – auf. Zusätzlich zum Fraß an der Eiche verursachen die Raupen des Eichenprozessionsspinners gesundheitliche Beeinträchtigungen beim Menschen durch ihre giftigen Brennhaare.

Ein braun-schwarz-gelber, haariger Falter sitzt auf einem braunen Untergrund.
Ein braun-grauer Falter sitzt gut getarnt auf einer braun-grauen Rinde.
Kleine braune und flache Eier liegen auf einem Zweig eng beieinander.
Schwarz-braune, haarige Raupen krabbeln über einen Zweig.
Viele kleine, haarige Rauben gehen eng hintereinander einen Baumstamm hoch.
An einem Ast hängt ein haariges Nest mit Raupen darin.

Gesundheitliche Gefährdungen durch Brennhaare

Die Raupenhaare des Eichenprozessionsspinners stellen eine akute gesundheitliche Gefährdung für Menschen dar. Ab dem dritten Larvenstadium wachsen den Raupen sehr feine Brennhaare, die leicht brechen und bei günstiger Witterung durch Wind über weite Strecken getragen werden. Auch die alten Larvenhäute, die nach der Häutung in den Gespinsten („Nestern“) bleiben, verbreiten beständig Brennhaare. Die Konzentration der Brennhaare in der Luft in der Umgebung der befallenen Eichen ist während der Raupenfraßzeit am größten. Da die Raupenhaare eine lange Haltbarkeit besitzen, reichern sie sich in der Umgebung, besonders im Unterholz und im Bodenbewuchs, an. Sie halten sich auch an Kleidern und Schuhen und lösen bei Berührungen stets neue allergische Reaktionen aus. Die Brennhaare der Eichenprozessionsspinner-Raupen haben Widerhaken, sind hohl und enthalten als Reizstoff das lösliche Eiweiß Thaumetopoein. Sie dienen den Raupen als natürlicher Abwehrmechanismus gegen Fressfeinde. Beim Menschen treten im Kontakt mit den Brennhaaren allergische Symptome auf, die je nach individueller Empfindlichkeit unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Besonders betroffen von der Reizwirkung sind dünne Hautpartien im Gesicht, am Hals und in der Armbeuge.

Bei Auftreten von allergischen Symptomen sollte der behandelnde Arzt oder Hautarzt aufgesucht werden. Der Patient sollte dabei von sich aus auf den Kontakt mit den Raupenhaaren hinweisen, sofern ihm dies bewusst ist.

Bedeutung für den Wald

In NRW beschränkt sich der Raupenfraß des Eichenprozessionsspinners hauptsächlich auf einzelnstehende Eichen in Parkanlagen, Alleen, auf Parkplätzen oder entlang von Waldrändern. Er kommt auch in Waldbeständen vor – führt dort allerdings nicht zum Kahlfraß der Eichen. Der Schaden ist zumeist gering, da die Eichen durch den Johannistrieb ein hohes Regenerationsvermögen besitzen.

Selbst bei einmaligem Kahlfraß durch den Eichenprozessionsspinner, wenn dieser nach Massenvermehrung flächig in Waldbeständen auftritt, verhindert die Regenerationskraft der Eichen Folgeschäden. Bei mehrjährig aufeinanderfolgendem starkem Fraß wird die Vitalität geschwächt, die Anfälligkeit der Bäume gegenüber weiteren Schädlingen wie Mehltau oder Eichenprachtkäfer erhöht sich. Die Folgen sind Zuwachsverluste, Ausfall der Eichenmast oder im schlimmsten Fall das Absterben des gesamten Baumes.

Natürliche Feinde

Der Eichenprozessionsspinner besitzt eine Vielzahl natürlicher Feinde. Einige entfalten ihre Wirkung erst nach mehreren Jahren der Massenvermehrung. Besonders wirksam sind Ei- und Raupenparasiten wie die Raupenfliegen aus der Familie der Tachinidae, deren Larven sich im Inneren des Wirtes entwickeln. Die wichtigste räuberische Käferart ist der Puppenräuber. Seine Larven suchen ihre Beute im Raupengespinst, während der Käfer die freien Raupen attackiert. Auch der Kuckuck verspeist die behaarten Raupen trotz der Brennhaare. Sie zeigen bei ihm keine Wirkung, da er seine Magenschleimhaut mit den darin festsitzenden Haaren herauswürgen kann.

Bekämpfung

Vorrangig muss eine Bekämpfung aus hygienischen Gründen dort in Erwägung gezogen werden, wo Menschen durch die Gifthaare gefährdet sind und eine Absperrung des befallenen Geländes für längere Zeit unmöglich ist. Zuständig zur Abwehr der Gesundheitsgefahr auf öffentlichem Gelände sind die Gemeinden, bei Privatgrundstücken die Eigentümer. Privatpersonen sollten dabei jedoch nicht zum Mittel der Selbsthilfe greifen. Der Einsatz von Insektiziden ist sorgfältig abzuwägen und muss die Belange von Naturschutz und Wasserschutz berücksichtigen. Dabei sollte immer der Rat von Fachleuten eingeholt werden. Neben der Bekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln ist das Absaugen von Eichenprozessionsspinner-Nestern mit speziellen Industriestaubsaugern in Deutschland vielerorts eine etablierte Methode, um die Ausbreitung der gesundheitsschädlichen Brennhaare einzudämmen. Das abgesaugte Material wird luftdicht verpackt und fachgerecht verbrannt. Die Nester dürfen nur von geschultem Fachpersonal mit vollständiger Schutzkleidung (Schutzanzug, Handschuhe, Atemschutz) entfernt werden.

Der Schwammspinner (Lymantria dispar dispar L.) ist ein Schmetterling aus der Familie der Trägspinner (Lymantriidae). Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Nordamerika über Europa bis nach Japan. Auch in Nordafrika kommt die Art vor. Wärme, Trockenheit, ausreichend Licht und ein gutes Nahrungsangebot stellen die für den Schwammspinner optimalen Lebensbedingungen dar. Sind diese gegeben, neigt er zu Massenvermehrungen. In NRW ist das Klima für den Schwammspinner nicht optimal, weshalb hier Massenvermehrungen bisher nicht beobachtet wurden. Dennoch wird die Art als potenziell problematisch eingeschätzt und daher überwacht. Die äußere Form der männlichen Falter bildet ein etwa gleichseitiges, die der weiblichen Falter ein gleichschenkliges Dreieck.

Ein hell- und dunkelbraun gemusterter Falter sitzt auf einem grauen Untergrund.
Ein weißer Falter sitzt auf einer Baumrinde. Unter ihm ist etwas braunes flauschiges.
Eine dunkle haarige Raupe sitzt auf einem grünen Blatt.
Eine dicke braune Puppe sitzt auf einem grünen Blatt.

Gesundheitliche Einschränkungen durch Brennhaare 

Anders als der Eichenprozessionsspinner verfügt der Schwammspinner nicht über hohle Brennhaare mit Widerhaken und ebenso wenig über Thaumetopoein. Dennoch kann auch der Kontakt mit den Raupen des Schwammspinners und deren Haaren beim Menschen zu allergischen Reaktionen führen. Die Ursachen dafür sind nicht eindeutig geklärt, aber es wird vermutet, dass Histamin eine Rolle spielen könnte, das zum Beispiel auch in den Brennhaaren der Brennnessel enthalten ist. Auch eine mechanische Wirkung der Haare könnte die Reaktionen auslösen. Es wurde nachgewiesen, dass etwa 60 Prozent des Laborpersonals, das sich mit der Zucht von Schwammspinner-Raupen beschäftigt und somit regelmäßig in intensivem Kontakt mit den Raupen ist, über längere Zeiträume Symptome einer Nesselsucht  entwickelt. Weitere allergische Reaktionen, die nach intensivem Kontakt mit Schwammspinner-Raupen auftreten können, sind Nasenschleimhautentzündung und Bindehautentzündung.

Bedeutung für den Wald 

Die Raupen des Schwammspinners können sich von einer Vielzahl verschiedener Pflanzenarten ernähren (Polyphagie). Die Art bevorzugt Laubbaumarten wie zum Beispiel Trauben-, Rot-, und Stieleiche, Rotbuche, Esskastanie, Hainbuche und Obstgehölze. In Südeuropa wurde sie allerdings auch schon an Kiefern (Pinus radiata) beobachtet. Am stärksten betroffen sind stets die Eichenarten. In Deutschland und somit auch in NRW tritt er zusammen mit anderen Schmetterlingsarten im Rahmen der “Eichenfraßgesellschaft“ auf. Die Kombination von Jahren mit überdurchschnittlichen Temperaturen und Niederschlagsdefiziten begünstigt hohe Populationsdichten bis hin zu Massenvermehrungen.  Wiederholter Kahlfraß durch den Schwammspinner in Gemeinschaft mit den anderen Eichenschädlingen kann zum Absterben von betroffenen Bäumen führen.

Natürliche Feinde

Die Falter werden gerne von Fledermäusen und Vögeln gefressen. Vögel nehmen ebenso gerne Eier und Raupen an. Natürliche Gegenspieler wie Erzwespen legen als Eiparasitoide ihre Eier in die Eier des Schwammspinners hinein, welche allmählich von den Larven der Erzwespen verzehrt werden. Verschiedene Raupenfliegenarten legen ihre Eier auf Schwammspinnerraupen oder -puppen ab. Die geschlüpften Larven bohren sich dann in die Wirtstiere hinein, reifen in diesen heran und bringen die Wirte dadurch zum Absterben. Puppen und Raupen werden weiterhin von Erzwespen und Schlupfwespen als Wirte für die Eiablage genutzt. Einen starken Einfluss auf Schwammspinnerpopulationen haben darüber hinaus verschiedene Viren und damit verknüpfte, tödliche Krankheiten wie zum Beispiel die durch Kernpolyedervieren verursachte „Schlaffsucht“, auf die schlaff von den Zweigen herabhängende, abgestorbene Raupen hinweisen.

Monitoring und Bekämpfung

Zur Überwachung der Schwammspinnerpopulationen eignen sich Falterfallen, mittels welcher mit Hilfe von Sexuallockstoffen (Pheromone) die männlichen Falter gefangen und dann gezählt werden können. Weiterhin können an Ästen und im Stammbereich die Eigelege erfasst werden. Im Sinne des integrierten Pflanzenschutzes ist es das Ziel, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu vermeiden oder zu minimieren. Stattdessen gilt es, gute Lebensbedingungen natürlicher Gegenspieler zu fördern. 

Zur Bekämpfung freifressender Schmetterlingsraupen sind in NRW verschiedene Präparate in der Forstwirtschaft zugelassen.

Zugelassene Präparate (Stand 2025):

  • Pyrethroid Karate Forst flüssig (bis 31.12.2025), 
  • Bacillus thuringiensis Präparate Dipel ES, Foray 76B und XenTari 
  • Häutungsbeschleuniger Mimic. 

Die folgenden Abbildungen zeigen das Einrichten einer Trichterfalle (Variotrap) für das Schwammspinnermonitoring:

In zwei Händen wird ein kleines weißes Plastik-Tütchen gehalten.
In zwei Händen wird eine grüne Plastikrolle gehalten. Eine Hand macht etwas an der Rolle mit einem Messer.
Zwei Hände halten eine grüne Plastikrolle in der Hand. In der Mitte der Rolle ist ein graues Röhrchen, aus das mit einem Messer gezeigt wird.
Aus einem Kanister wird Wasser in ein Behältnis gefüllt.
Zwei Männer hängen ein Behältnis mit Flüssigkeit an einen Zweig.
Auf dem Waldboden liegt ein Holz-Klemmbrett mit einem weißen Blatt mit vielen toten braunen Faltern darauf.

Als echter Eichenspezialist ist der Grüne Eichenwickler (Tortrix viridana L.) Teil der sogenannten “Eichenfraßgesellschaft“. Die Falter besitzen hellgrüne Vorderflügel und graue Hinterflügel, die am hinteren Rand mit Fransen besetzt sind. Die Flügelspannweite misst ca. 18 mm bis 23 mm. Typisch für die grau-grünen, schwarz punktierten Raupen ist der dunkle Kopf und das dunkle Nackenschild.

Ein grün-beiger Falter mit ausgebreiteten Flügeln liegt auf einem weißen Untergrund.
Ein grün-grauer Falter liegt mit ausgebreiteten Flügeln auf weißem Untergrund.
Eine dicke grüne Raupe sitzt auf einem Zweig.
Eine dicke braune Puppe liegt auf einem grünen Blatt.

Bedeutung für den Wald 

Die Raupen bevorzugen Alteichen, befallen bei Massenvermehrungen aber alle Altersklassen. Ist eine Eiche kahlgefressen, wandern die Raupen auf andere Eichen ab. Sie lassen sich aber auch mit dem Wind verwehen. Diese Strategien begünstigen den flächenhaften Befall in Eichenbeständen. Kahlfraß kann die Eiche – wie bei anderen freifressenden Raupen – mit Hilfe des sogenannten Johannistriebs kompensieren. Der Begriff „Johannistrieb“ bezeichnet den zweiten Blattaustrieb einiger Laubbaumarten, der in der Zeit um den Johannistag (24. Juni) stattfindet (Altenkirch et al. 2002).

Natürliche Feinde

Verschiedene Vogelarten, wie zum Beispiel der Mittelspecht, Blau- und Kohlmeise oder der Hausrotschwanz, Fledermäuse, Parasiten, Parasitoiden, Bakterien, Pilze und Viren – dies sind die natürlichen Feinde des Eichenwicklers.

Monitoring und Bekämpfung?

Bei Bedarf besteht die Möglichkeit, die Anzahl vorhandener Raupen des Grünen Eichenwicklers mit Photoeklektoren zu schätzen. Ein Photoeklektor ist eine trichterförmige Falle mit einer Lampe im Innern. Im Dunkeln geschlüpfte Eiräupchen wandern dem Licht entgegen und bleiben an mit Leim versehenem Papier an der Innenwand der Falle kleben. Üblicherweise findet der Einsatz dieses Fallentyps unter kontrollierten Bedingungen im Gewächshaus statt, um das Schlüpfen der Raupen zu beschleunigen.

Aus dem Verhältnis von gefangenen Raupen zur Anzahl der vorhandenen Knospen wird eine Prognose zum zu erwartenden Befall abgeleitet. Als grobe Indikatoren für den im nächsten Frühjahr zu erwartendem Fraß gelten in der Praxis folgende Richtwerte:

  • 10 - 30 Eiraupen je 100 Knospen          → Lichtfraß,
  • 30 - 50 Eiraupen je 100 Knospen          → Kahlfraß in der Oberkrone,
  •      > 50 Eiraupen je 100 Knospen         → Kahlfraß in der gesamten Krone.

Weitere Fänge, die mit Photoeklektoren gemacht werden sind andere Schmetterlingsraupen, die ihre Eier an Zweigen ablegen.

Quelle: waldwissen.net

Der Große Frostspanner (Flügelspannweite ♂ 38 mm bis 40 mm) und der Kleine Frostspanner (Flügelspannweite ♂ 23 mm bis 25 mm) sind die Schmetterlingsarten aus der Familie der Spanner, die relevante Fraßschäden an Eichen verursachen können. Der Begriff Spanner bezieht sich auf die Raupen dieser Arten, die als Beinpaare, abgesehen von den zwei Brustfußpaaren, nur ein Bauchfußpaar und zwei sogenannte Nachschieber besitzen und sich daher auf eine sehr auffällige Art fortbewegen: Sie spannen sich parabelförmig auf und strecken sich wieder – dies immer im Wechsel. Auffällig ist auch der unterschiedliche Körperbau der männlichen und weiblichen Falter. Bei beiden Arten sind die Flügel der weiblichen Falter verkümmert, weshalb sie nicht fliegen können. Das ♀ des Kleinen F. ist braungrau, 6  bis  8 mm lang, mit 2  bis  3 mm lange Flügelstummeln. Das ♀ des Großen F. ist ca. 14 mm lang, völlig flügellos und besitzt ein auffällig dunkel geflecktes Abdomen. Die Paarungszeit fällt zwischen September und Dezember, wenn es bereits Nächte mit Frost gibt. Bei beiden Arten kann die Färbung und das Flügelmuster der männlichen Falter sehr variabel aussehen.

Bilder vom Großen Frostspanner
Ein gelb-brauner Falter liegt mit ausgebreiteten Flügeln auf einem weißen Untergrund.

 

Ein schwarz-grüner Falter mit langen Beinen liegt auf weißem Untergrund.
Ein brauner Falter sitzt auf einem dunkelgrünen Blatt.
Viele kleine ovale Eier kleben auf einer Rinde.
In einer Collage sieht man Fotos von vier grün-braunen Raupen auf Blättern und Zweigen.
Eine braun-rote Puppe liegt auf einem grünen Blatt.
Bilder vom Kleinen Frostspanner
Ein hellgrün-gelber Falter mit ausgebreiteten Flügeln liegt auf weißem Untergrund.
Ein kleiner Falter ohne Flügel sitzt auf weißem Untergrund.
Ein grün-brauner Falter sitzt auf grauem Untergrund.
Ein kleiner Falter ohne Flügel aus dem grüne Eier kommen liegt auf weißem Untergrund.
Eine hellgrüne Raupe läuft über ein grünes Blatt.
Man sieht einen kleinen Griffel am unteren Körper einer braunen Puppe.

Bedeutung für den Wald 

Für die beiden Frostspannerarten gilt bezüglich des Schadenspotenzials dasselbe wie für den Grünen Eichenwickler: Sie sind Teil der Eichenfraßgesellschaft (Siehe Abschnitt „Bedeutung Komplexer Eichenschäden“). Abgesehen davon ernähren sich beide Arten von verschiedenen Laubgehölzen, sie sind im Gegensatz zum Eichenwickler also keine Nahrungsspezialisten.

Natürliche Feinde

Wie alle Raupen, gehören Fledermaus- und Vogelarten zu den natürlichen Feinden. Darüber hinaus auch Raupenfliegen, Schlupf- und Erzwespen.

Monitoring und Bekämpfung?

Das Monitoring wird jährlich ab dem 1. November bis Mitte Januar, also während der Paarungszeit, mittels Leimringen durchgeführt, um die flügellosen Weibchen beider Arten zu fangen und die Größe der Population zu schätzen. 

Die Anzahl der gefangenen Weibchen pro Zentimeter Stammumfang gibt Aufschluss darüber, ob relevanter Raupenfraß im kommenden Frühjahr zu erwarten ist oder nicht. Die Summe der über den Fangzeitraum gezählten Weibchen wird mit der Summe aller Stammumfänge ins Verhältnis gesetzt (♀ pro cm Stammumfang). Zur Einschätzung des Fraßes im Folgejahr wird dieser Wert mit der kritischen Dichte verglichen. Dies ist die Populationsdichte, ab der Kahlfraß durch die Raupen droht. Die kritische Dichte liegt beim Kleinen Frostspanner bei 0,8 ♀ und beim Großen Frostspanner bei 0,4 ♀ Weibchen je Zentimeter Stammumfang.

Quelle: waldwissen.net 

Der wärme- und lichtliebende Zweipunktige Eichenprachtkäfer (Agrilus biguttatus), kurz Eichenprachtkäfer, ist ein 10 bis 13 mm langer und metallisch grün- bis kupferfarbener Käfer der Familie der Prachtkäfer (Buprestidae). In Deutschland ist A. bigutattus die größte Art seiner Gattung. Charakteristisch und namensgebend sind die zwei weiß beschuppten Flecken am unteren Drittel der Flügeldecken (je ein Fleck pro Flügeldecke in der Nähe der Flügeldeckennaht). 

Die ausgewachsene Larve überwintert dicht unter der Borkenoberfläche und verpuppt sich dort im Frühjahr, weshalb Spechte die Borke für die Nahrungssuche abschlagen. Nach einer Puppenruhe von ca. 14 Tagen bohren sich die Käfer ab Mai aus. Dabei ist ihr markantes, D-förmiges Ausbohrloch ein hilfreiches Bestimmungs- und Befallsmerkmal. Die Eiablage erfolgt in Rindenritzen bevorzugt im unteren Stammbereich, aber auch an Starkästen (> 12 cm Ø). Die geschlüpften Larven bohren sich in die Rinde und fressen im Bast und im Kambialbereich. Die Larvengänge sind vorerst wirr und werden zunehmend breiter und horizontal längs verlaufend, teils zick-zack förmig und gefüllt mit weißem Bohrmehl.

Ein grün-glänzender Käfer mit zwei weißen Punkten auf dem Rücken sitzt auf einem grünen Blatt.
Man sieht eine freigestellte gelb-beige Larve.
Zwei beige Raupen laufen über Holz, das von Fraßgängen durchzogen ist.
In einer Baumrinde ist ein D-förmiges Loch.

Bedeutung für den Wald 

Die primären Wirtspflanzen des Käfers sind ältere Stiel- und Traubeneichen. Als Sekundärschädling befällt dieser gewöhnlich geschwächte, aber noch lebende Bäume. Eine Devitalisierung kann z.B. durch starken Blattfraß der Eichenfraßgesellschaft, durch Trockenstress oder Pilzbefall hervorgerufen werden. Letale Auswirkungen können die Fraßgänge hervorrufen, wenn sie stammumfassend sind (Ringelung). Dabei werden die für den Wasser- und Nährstofftransport vorhandenen Leitbündel zerstört. Ist der Befall massiv, können Eichen absterben. Zahlreiche Untersuchungen haben belegt, dass der Eichenprachtkäfer bereits früh in geschwächten Eichen vorkommt und seine deutliche Dichtezunahme mit dem Absterben von Eichen zusammenfällt. Zumeist ist es jedoch die Verkettung und das Zusammenwirken zahlreicher für eine Eiche nachteiliger abiotischer und biotischer Einflussfaktoren, die das Absterben verursachen. 

Natürliche Feinde

Eine erhebliche Bedrohung für überwinternde Larven, Puppen und adulte Eichenprachtkäfer geht von Spechten aus, insbesondere von Buntspecht und Schwarzspecht. Einen regulierenden Einfluss auf die Eichenprachtkäferpopulation haben weiterhin räuberische Käfer und larvale Parasitoide aus der Ordnung der Hautflügler (Hymenoptera).

Monitoring und Maßnahmen

Sind Eichen stark von Eichenprachtkäfern befallen, sind die befallenen Bäume bis Mitte Mai aus dem Wald zu entnehmen und abzufahren, um den restlichen Eichen-Bestand zu schützen. Klare Symptome für starken Eichenprachtkäferbefall sind zahlreiche D-förmige Ausbohrlöcher, sowie Zeichen regelmäßiger Spechtaktivität. 

Weitergehende Informationen zur Erkennung der Befallssymptome und zur Berücksichtigung von Naturschutzbelangen sowie eine Entscheidungshilfe zum Sanitärhieb enthält der Eichenprachtkäfer-Leitfaden von Wald und Holz NRW.

Eine besondere Betrachtung muss der Komplexkrankheit AOD (Akutes Eichensterben) zuteilwerden. Auch hier wirken im Vorfeld wie bei anderen Schaderregern und Krankheiten Stressoren wie Hitze, Dürre, ungeeignete Standortausprägungen sowie Luftverschmutzung und schwächen die Eichen zunächst. Dadurch werden die Bäume anfällig für diese Krankheit. Je nach Ausprägung der Krankheit und Resilienz der Eichen sterben die betroffenen Bäume innerhalb von 3 bis 5 Jahren ab oder erholen sich allmählich. Gemäß dem aktuellen Forschungsstand wird verschiedenen Bakterienarten, hauptsächlich Brenneria goodwinii und Gibbsiella quercinecans, für den Krankheitsausbruch und -verlauf eine Schlüsselrolle zugeschrieben. Die Bakterien produzieren Enzyme, die das unter der Rinde liegende Bastgewebe (Phloem, leitet in Wasser gelöste Nährstoffe von der Krone in die Wurzeln) mitsamt dem Kambium (Wachstumsschicht) angreifen, aufweichen und abtöten (Nekrose). Symptomatisch ist der Bakterienbefall gekennzeichnet durch lokal begrenzte Rindenrisse aus denen eine schwarz-bräunliche, zähflüssige Substanz rinnt, die allgemein als Schleimfluss bezeichnet wird. Da die verursachenden Bakterien auch an gesunden Eichen in Blättern und Knospen gefunden wurden, wird vermutet, dass sie zum natürlichen Mikrobiom der Eichen gehören, aber unter bestimmten Bedingungen schädlich werden. Jüngere Forschungsergebnisse (Cambon et al. 2023, Doonan et al. 2020) stützen die Hypothese, dass chemische Substanzen, die von Prachtkäferlarven entlassen werden, einen fördernden Einfluss auf die Pathogenität (die Fähigkeit, die Krankheit zu erzeugen) und die Virulenz (Intensität des Krankheitsverlaufs) der Bakterien haben. Oft, jedoch nicht immer, tritt im Zusammenhang mit AOD sichtbarer Eichenprachtkäferbefall auf. Umgekehrt ist nicht jeder Eichenprachtkäferbefall mit einer AOD-Erkrankung verknüpft. Um Informationen über die Häufigkeit des Vorkommens und die raumbezogene Verbreitung von AOD zu gewinnen, wird dieses Phänomen überwacht und ist Gegenstand aktueller Forschungsarbeiten.

Weitere Informationen erhalten Sie in der Waldschutz-Infomeldung Nr. 07/2025 vom 20. August 2025.

Monitoring und Maßnahmen

AOD wird insofern überwacht, als dass der Nachweis der Bakterien und die Dokumentation der Ausbreitung der Krankheit von Bedeutung ist. Zu diesem Zwecke werden sporadisch, jedoch bisher nicht systematisch an Eichen, an denen Schleimfluss beobachtet wird, Gewebeproben entnommen und in ein zuständiges Labor gesendet. 

Wenn nur Schleimfluss gesichtet wird, jedoch kein Befall durch den Eichenprachtkäfer, sollten die betroffenen Bäume gekennzeichnet und jährlich beobachtet werden. Erholen sich die Eichen, ist keine Fällung notwendig. Verschlechtert sich der Kronenzustand über einen längeren Zeitraum immer weiter, kann die Entnahme aus wirtschaftlicher Sicht eine zunehmend sinnvolle Option sein. 

Bestätigt sich neben dem Schleimfluss und der abnehmenden Vitalität zusätzlich ein starker Befall mit Eichenprachtkäfern, sind die befallenen Eichen bis Mitte Mai aus dem Wald zu entnehmen und abzufahren, um den restlichen Eichen-Lebensraum zu schützen. 

Das akute Eichensterben (engl. Acute Oak Decline – AOD) ist eine Komplexkrankheit, die je nach Ausprägung häufig zum Absterben der betroffenen Eichen innerhalb von 3 bis 5 Jahren führen kann. Erkrankte Bäume können sich aber auch wieder erholen.

Wert absterbender und bereits abgestorbener Eichen für das Ökosystem

Befinden sich Eichen klar im Endstadium eines Absterbeprozesses oder sind sie bereits abgestorben, sollte, wann immer möglich, der immense Wert stehenden Totholzes für die Artenvielfalt des Ökosystems beachtet und berücksichtigt werden, das heißt, der Baum im Bestand belassen werden. Stehendes Totholz bietet Lebensraum für eine Vielzahl von Organsimen, darunter Vogel-, Säugetier-, Insekten- und Pilzarten. 

Spechte legen Höhlen in Eichen an, da sie geeignete Brut- und Schlafplätze bevorzugen, die oft an alten, morschenden oder toten Eichen zu finden sind. Besonders der Buntspecht und der Mittelspecht zimmern ihre Bruthöhlen in die Bäume, was erleichtert wird, wenn bereits Fäulnisstellen oder ausfaulende Aststummel vorhanden sind. Spechte nutzen ihre Höhlen selbst für die Brut und als Schlafplatz, bevor sie von anderen Tieren wie Siebenschläfern, Eulen oder Fledermäusen als Unterschlupf genutzt werden können. So fördert stehendes Totholz auch die Gegenspieler zahlreicher Schadorganismen. 

Erfolgt irgendwann der Zusammenbruch des bisher stehenden Totholzes, wird dessen Material von Moosen bewachsen sowie von verschiedensten Wirbellosen, Pilzen und Bakterien weiterhin genutzt und über einen langen Zeitraum in Humus umgewandelt.

Eichenmehltau zählt zu den häufigsten Eichenkrankheiten in Europa, verursacht durch verschiedene Schlauchpilzarten, hauptsächlich jedoch durch Erysiphe alphitoides und Erysiphe hypophylla. Ein leicht zu erkennendes Symptom für den Pilzbefall ist der mehlige, weiße Belag auf den Blattoberseiten, der sich abwischen lässt. Dieser weiße Belag besteht aus einem dichten Geflecht von Pilzfäden (Myzel) und Sporen. Weitere Symptome sind eingerollte Blätter, vorzeitiger Blattabfall und bei sehr starkem Befall auch absterbende Triebe.

Bedeutung für den Wald 

Die durch Eichenmehltau ausgelösten Blattsymptome können oftmals sehr drastisch aussehen, stellen für die betroffenen älteren Eichen aber allgemein keine Bedrohung dar. Die Erkrankung ist zumeist nur in Kombination mit anderen Stressfaktoren problematisch. Junge Eichen können allerdings durch das Absterben der Triebe stärker geschwächt werden und befallene Sämlinge können ganz absterben. In gesamt Nordrhein-Westfalen wurden im Jahr 2024 in Summe 420 ha Eichenmehltau dokumentiert. 

Natürliche Feinde

Insbesondere der Zwölffleckige Pilz-Marienkäfer (Vibidia duodecimguttata) und Zweiundzwanzigpunkt-Marienkäfer (Psyllobora vigintiduopunctata) ernähren sich unter anderem von Mehltau verursachenden Pilzen und können so helfen, den Pilzbefall einzudämmen.

Monitoring und Bekämpfung

In Baumschulen wird Eichenmehltau bisweilen mit Fungiziden bekämpft. Auf Verjüngungsflächen im Wald werden Fungizide gegen Eichenmehltau jedoch i.d.R. nicht eingesetzt, da ein solches Verfahren nicht wirtschaftlich ist.

Holz besteht hauptsächlich aus Zellulose, Hemizellulose und Lignin. Je nachdem welche dieser Substanzen zuerst abgebaut wird, lassen sich verschiedene Holzfäulen wie z.B. Braunfäule und Weißfäule unterscheiden. Jede dieser Holzfäulen wird von mehreren spezifischen Pilzarten verursacht, die darauf spezialisiert sind, ganz bestimmte Stoffe zu verwerten. (Quelle: WSL 2025).

Weißfäule

Weißfäulepilze bauen außer der Zellulose und Hemizellulose besonders auch das Lignin ab. Weißfäule tritt meist am lebenden Baum auf, vor allem an Laubholz vor und benötigt als Lebensgrundlage eine gewisse Holzfeuchte. Typisch ist die faserig-weiche Struktur des Holzes in Längsrichung. Im Endstadium ist das Holz "schwammig". Versucht man, weißfaules Holz in der Hand zu zerreiben, bleibt es faserig. Zu den Weißfäule verursachende Pilze an Eichen gehören zum Beispiel der Spindeliger Rübling (Collybia fusipes), der Glänzende Lackporling (Ganoderma lucidum), der Eichen-Feuerschwamm (Phellinus robustus), der Wulstige Lackporling (Ganoderma adspersum) sowie der Runzeliger Schichtpilz (Stereum rugosum) (Altenkirch et al. 2002, S.173).

Wurzelfäule 

Eine typische Wurzelfäule verursachende Pilzart an Eichen ist der Honiggelbe Hallimasch (Armillaria mellea).

Braunfäule

Braunfäulepilze wie der Schwefelporling (Laetiporus sulphureus), Leberpilz (Fistulina hepatica) bauen Zellulose und Hemizellulose ab. Weil das braune Lignin weitgehend erhalten bleibt, bekommt das faulende Holz eine braune Farbe. Trocknet das Holz, so schrumpft die Ligninmasse und es bilden sich Risse im Holz, die quer und parallel zur Faserrichtung verlaufen. Diese sogenannten Würfelbrüche sind typisch für die Braunfäule. Im Endstadium eines Befalls lässt sich das Holz zwischen den Fingern zu Pulver zerreiben. Der überwiegende Teil der Braunfäulen tritt an Nadelholz auf.

Altenkirch W, Majunke C, Ohnesorge B (2002). Waldschutz auf ökologischer Grundlage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, Germany, pp. 434

Kammerer M, Bogenschütz H (1995). Beeinflussung des Massenwechsels von Lymantria dispar L. (Lepidoptera, Lymantriidae) durch den Einsatz von Kernpolyederviren. Mitt. Dtsch. Ges. Allg. Angew. Ent. 10: 119-122.

Schafellner Ch, Möller K (2022). Insect Defoliators. In: Wohlgemuth T, Jentsch A, Seidl R (Eds.). Disturbance Ecology, Landscape Series, Springer Nature Switzerland AG, pp. 439. https://doi.org/10.1007/978-3-030-98756-5

Seemann D (1999). Die Massenvermehrung des Schwammspinners (Lymantria dispar L.) in Baden-Württemberg 1993-1994. Forstliche Forst- und Versuchsanstalt Baden-Württemberg, Abteilung Waldschutz. Berichte Freiburger Forstliche Forschung 13, pp. 12. [online: 11.09.2025] URL: www.fva-bw.de/fileadmin/publikationen/fff_bericht/fff_h_13.pdf

Tuthill RW, Canada AT, Wilcock K, Etkind PH, O'Dell TM, Shama SK (1984). An epidemiologic study of gypsy moth rash. Am J Public Health 74(8):799-803. doi: 10.2105/ajph.74.8.799. PMID: 6742270; PMCID: PMC1651967.

WSL 2025. Holzfäulen: Braunfäule, Weissfäule und Moderfäule. [online: 11.09.2025] URL: https://totholz.wsl.ch/de/totholz/abbau-von-holz/holzfaeulen/