Innovationen für die Holzverwendung von morgen
Ziel unserer Arbeit ist es, die vielfältigen Potenziale des Rohstoffs Holz im Spannungsfeld von Klimawandel, Ressourcenverfügbarkeit und nachhaltiger Nutzung weiterzuentwickeln. Dabei verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz entlang der gesamten Wertschöpfungskette Forst-Holz – vom Baum bis zum Holzprodukt. Die Holzforschung bei Wald und Holz NRW ist im Zentrum für Wald und Holzwirtschaft am Standort Olsberg angesiedelt und wird vom Team Holzwirtschaft umgesetzt.
Wir möchten Sie als Akteurin oder Akteur der Forst- und Holzwirtschaft dabei unterstützen, Holz auch in Zukunft wirtschaftlich, nachhaltig und ressourceneffizient einzusetzen.
Die holzwirtschaftliche Forschung umfasst drei Schwerpunkte:
1. Synchronisation der Holzverwendung mit der zukünftigen Rohstoffverfügbarkeit
Nutzungspotenziale erkennen und nachhaltig sichern
Die Wälder in NRW verändern sich hin zu strukturreichen, klimaanpassungsfähigen Wäldern. Der Waldumbau und die Wiederbewaldung von Kalamitätsflächen bringen so neben den vier Hauptbaumarten Fichte, Kiefer, Buche und Eiche weitere Nadel- und Laubbaumarten hervor, die zukünftig für die stoffliche Verwendung zur Verfügung stehen. Diese Vielfalt birgt Chancen – aber auch Herausforderungen. So fehlen für viele Baumarten notwendige normative Grundlagen für die Bemessung von Holzkonstruktionen und Zulassungen für den modernen Holzbau. Viele Laubhölzer wie z.B. Birke oder Ahorn bieten jedoch technologische Eigenschaften wie hohe Festigkeiten, die neue Produkte und ein ressourcenschonendes Bauen mit schlankeren Querschnitten ermöglichen.
Unser Fokus:
- Wir analysieren die zukünftigen Verfügbarkeiten und Qualitäten von Holzarten und Sortimenten.
- Wir ermitteln bemessungsrelevante Grundlagen für Normung und Zulassung
- Wir entwickeln Nutzungskonzepte und erschließen Nutzungspotenziale für bisher wenig genutzte Baumarten.
- Wir fördern den Dialog entlang der Wertschöpfungskette
Beispiel: Fichtenholz war jahrzehntelang das Rückgrat der stofflichen Holzverwendung. Was passiert, wenn sich die Verfügbarkeit der Fichte verändert und Baumarten wie Birke, Ahorn, Küstentanne oder die Douglasie nachrücken? Unsere Forschung liefert Antworten – auch normativ.
2. Nachhaltiges Kalamitätsmanagement in der Wald- und Holzwirtschaft
Strategien für den Umgang mit Schadereignissen
Extremwetterereignisse wie Stürme und Dürreperioden sowie ein zunehmendes Aufkommen von Schadorganismen können innerhalb kürzester Zeit große Mengen Rohholz auf den Markt bringen. Diesem sogenannten Kalamitätsholz droht ein Qualitätsverlust, wenn es nicht rechtzeitig genutzt oder fachgerecht konserviert und zwischengelagert wird.
Unser Ansatz: Wir entwickeln Lösungen, wie Sie Kalamitätsholz wirtschaftlich, mit möglichst wenig Qualitätsverlust und ressourcenschonend für die regionale Wertschöpfungskette Forst-Holz sichern können nutzen können.
Was wir tun:
- Wir untersuchen verschiedene Konservierungs- und Lagerverfahren, z.B. die Folien- oder Trockenlagerung von Fichtenholz.
- Wir analysieren die Qualität von konserviertem und gelagerten Rundholz über mehrere Jahre hinweg und bewerten die Verwendungsmöglichkeiten.
- Wir untersuchen praxisnahe Monitoring- und Behandlungsverfahren für den Wald oder im Sägewerk zum Qualitätserhalt
- Wir unterstützen die Planung logistischer Abläufe und eine bedarfsgerechte Nutzung von Holz bei Kalamitätsereignissen durch praxisnahe und vorausschauende Forschung.
Beispiel: In Arnsberg lagerten wir über fünf Jahre rund 3.000 m³ Fichten-Kalamitätsholz unter Folie. Das Ergebnis: Bei fachgerechter Konservierung, d.h. unter einem dichten Folienzelt, bleibt das Holz auch langfristig nutzbar – ein wertvoller Beitrag zur Sicherung des Rohstoffs im Krisenfall.
3. Kreislaufgerechtes und ressourceneffizientes Bauen mit Holz
Zukunft des Bauens nachhaltig gestalten
Unsere Forschung zielt darauf ab, ressourcenschonende und kreislauffähige Konstruktionsweisen weiterzuentwickeln. Wir untersuchen innovative Holzprodukte, modulare Bauweisen und Rückbaukonzepte, um den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden nachhaltig zu gestalten. Die Rückbaubarkeit von Gebäuden betrachten wir mit Fokus auf einer regionalen Wertschöpfung. Zudem unterstützen wir so bei der Etablierung neuer Liefer- und Verarbeitungsketten. Die praktische Umsetzung erfolgt im Rahmen des EFRE Projekts „Kreislaufgerechtes Bauen mit Holz“.
Unsere Forschungsthemen:
- Den modernen Holzbau kreislauffähig gestalten – „Lernen aus dem Bestand für den Neubau“
- Urban Mining: Untersuchung der Wiederverwendbarkeit von Holzbauteilen aus alten Bestandsgebäuden
Beispiel: Fenster, Türen oder ganze Wandmodule aus Holz können heute so geplant werden, dass sie sich nach beliebiger Zeit einfach demontieren und wiederverwenden lassen – nachhaltig, wirtschaftlich und klimafreundlich.
Standort Olsberg – Forschung mit Praxisbezug
Durch die enge Verzahnung mit der Praxis vor Ort im Zentrum HOLZ und einem starken Netzwerk aus Partnern der Forst-, Holz- und Bauwirtschaft leistet das Team Holzwirtschaft am Standort Olsberg einen wichtigen Beitrag zur Transformation des Cluster Forst und Holz in Nordrhein-Westfalen. Unsere Forschung ist anwendungsorientiert, lösungsgetrieben und stets im Dialog mit den Akteuren der Wertschöpfungskette.